Donnerstag, 10. September 2009

„Ein Mensch ist mehr wert als die ganze Welt“ - Forum: Albanien

Vor wenigen Tagen war sie noch ganz neu in SL, gestern abend saß sie schon (stilecht in Habit und Schleier) als Interviewgast mit mir auf unserem Forumssofa: Noel Puddlegum, im Ersten Leben Sr. Mirjam Beike, Ordensschwester von den Schwestern vom Guten Hirten.



Es mußte alles ganz schnell und spontan gehen, denn schon in wenigen Tagen wird sie Deutschland (und damit ihre zuverlässig verfügbare DSL-Verbindung) erst einmal hinter sich lassen. Noch einen Monat verbringt sie zur Vorbereitung in Belgien, danach wird sie mit drei Mitschwestern eine Niederlassung ihres Ordens in Albanien gründen. Von diesem Projekt erzählte uns Sr. Mirjam in einem kurzfristig angesetzten „Mittwochsforum“ und beantwortete Fragen der Teilnehmer.

Wie kam es überhaupt zu diesem Projekt? Vor einigen Jahren bereits hatte sich der zuständige Ortsbischof mit der Bitte um die Entsendung von Schwestern an die Ordensleitung gewandt. Sr. Mirjam, die bisher in Deutschland mit Frauen und Mädchen in schwierigen Lebenssituationen gearbeitet hat, hatte sich ihrerseits schon vor einiger Zeit zu einem Einsatz in der Mission bereit erklärt. Und so kam die Ordensleitung auf sie zu, als Schwestern für eine Gemeinschaft in Albanien gesucht wurden; die anderen drei Schwestern kommen aus Irland, dem Libanon und Sri Lanka.

Zweimal hat sie die Region am See von Ohrid, in der sie in Zukunft leben und arbeiten wird, bereits für einige Tage besucht. Zum Teil fahren noch Pferdefuhrwerke durch die Straßen, und im Winter soll es nur stundenweise Strom geben - aber andererseits beginnen sich westliche Ladenketten niederzulassen, und zumindest stellenweise sind Highspeed-Internetzugänge und Handynetz verfügbar. Noch wissen die Schwestern nicht genau, wo ihnen der Bischof eine Wohnung zur Verfügung stellen wird und wie die Lebensbedingungen dann sein werden.

Hauptaufgabe der Schwestern wird zunächst Katechese sein. In Albanien, das von den damaligen kommunistischen Machthabern zum „ersten atheistischen Staat der Welt“ erklärt wurde, war jegliche Religionsausübung über Jahrzehnte verboten. Fast alle Priester wurden inhaftiert, die meisten kamen in Arbeitslagern ums Leben. Heute, knapp 20 Jahre nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft, bezeichnen sich zwar viele Albaner nach der Religion ihrer Familien als Katholiken, Orthodoxe oder Muslime, kennen die Religion ihrer Vorfahren aber kaum. Die Religionsgemeinschaften stehen vor der Aufgabe, das Glaubensleben wieder ganz neu aufzubauen – und sind dazu ganz auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen.

Während sich an der Adriaküste, wo italienisches Fernsehen empfangen werden kann und daher von vielen Italienisch verstanden wird, relativ schnell Priester und Ordensgemeinschaften aus Italien ansiedeln konnten, ist die katholische Präsenz im Osten des Landes noch sehr dünn gesät – daher die Bitte des Bischofs an die Schwestern, sich dort niederzulassen. Der nächste Priester ist über 100 km entfernt, die nächste Kirche mit regelmäßiger Sonntagsmesse immer noch rund 50 km. Die Gemeinde, um die die Schwestern sich kümmern werden, umfaßt derzeit gerade einmal 50 Menschen, die bisher kaum Zugang zu Gottesdiensten und Glaubensunterweisung haben. In diesem Bereich werden die Schwestern zuerst aktiv werden. Sr. Mirjam geht aber davon aus, daß sich schnell weitere Arbeitsfelder auftun werden – wie etwa die Arbeit mit Straßenkindern, wie sie sie auch in Köln geleistet hat.
„Ein Mensch ist mehr wert als die ganze Welt“, so gibt sie mit den Worten ihres Ordensgründers St. Jean Eudes den Geist wieder, in dem die Schwestern sich ihrer Arbeit widmen werden.

Um den Menschen gut begegnen zu können, hat sie begonnen, Albanisch zu lernen – eine hochkomplizierte Sprache. Viele junge Albaner sprechen bereits Englisch, aber es soll nicht die fremde Sprache als Barriere zwischen den Schwestern und den einheimischen Menschen stehen.

In vieler Beziehung ist es jetzt, wo es allmählich ernst wird, sehr spannend – wie die Schwestern zur Gemeinschaft zusammenwachsen, wo und unter welchen Bedingungen sie leben werden, in welcher Form sie ihren Dienst für die Menschen tun werden, wie sie selbst ihr geistliches Leben gestalten können. Sr. Mirjam hat sich zunächst einmal für sechs Jahre zur Verfügung gestellt, die aber auch noch verlängert werden können – und wenn es denn gar nicht funktionieren sollte, natürlich auch verkürzt. Aber sechs Jahre sind eine Zeit, in der man einiges aufbauen und dann auch beruhigt zurücklassen kann, so hat sie bei früheren Projekten erfahren.

Für den Kontakt nach Hause hofft sie auf zumindest sporadischen Internet-Zugang – wenn Briefe etwa einen Monat unterwegs sind, sind E-Mails und Skype schon eine gewaltige Erleichterung. Sr. Mirjam wird über ihre Erfahrungen in einem Blog berichten (http://neues-aus-albanien.blogspot.com/), und wenn ein entsprechend schneller Zugang erreichbar ist, wird sie uns in einigen Monaten auch wieder in SL Einblicke in ihr Projekt geben.



Schließlich sprach Sr. Mirjam auf die Frage, warum sie in einen Orden eingetreten sei, noch kurz darüber, wie für sie diese Lebensform mit den Aspekten des Gebets, der Gemeinschaft und des Einsatzes für andere Menschen in ihrer persönlichen Gottesbeziehung gründet.

Alles in allem ein sehr interessanter, bewegender Gesprächsabend – vielen Dank an Sr. Mirjam, die uns an einem ihrer letzten unverplanten Abende in Deutschland so spontan zur Verfügung gestanden hat, und Gottes Segen für den Start in Albanien!
Wir werden sicher mit ihr in Kontakt bleiben und sie auch mit unserem Gebet begleiten.

Donnerstag, 3. September 2009

Neue Teammitglieder für St. Georg


Sie sind schon lange in der "virtuellen Gemeinde" St. Georg in Second Life aktiv, jetzt verstärken sie das Team der Erzdiözese Freiburg: Gerbera Bruun und Insel Seerose. Vor allem im Präsenzdienst (dienstags, mittwochs und sonntags von 21.00 bis 22.00 Uhr) werden sie online sein und als Ansprechpartnerinnen für Informationen zum Projekt und Gespräche über Glaube und Kirche zur Verfügung stehen.

Mit Gerbera wird das Team international: Wer voice chat benutzt, stellt schnell fest, dass sie aus der Schweiz kommt. Insel - der Name deutet es an - wohnt auf der Insel Reichenau; sie hat in St. Georg also ein Heimspiel.

Herzlich willkommen den beiden Neuen im Team!

Dienstag, 28. Juli 2009

Wie das (zweite) Leben so spielt ...


Meinem "zweiten Ich" ist etwas widerfahren, was mir als Mensch vermutlich nicht passieren wird: Anastasis Villiers ist Covergirl einer Zeitschrift!
Auf dem Titelblatt des aktuellen BDKJ-Journals steht sie bildfüllend in Jeans, "Angel"-T-Shirt und Kreuzkette in der virtuellen Georgskirche. Diese Ausgabe des Journals beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema "Glaube 2.0: Kirche – Jugend – Internet" und geht dabei auch auf Second Life und unser Projekt ein.

Mal wieder ein interessantes Gefühl von "Ich bin es nicht und bin es doch" ...

Mittwoch, 22. Juli 2009

Frust-Demo

SL heute besonders laggy? Frust wegen häufiger Abstürze? Voice funktioniert mal wieder nicht? Nach einer kleinen Frust-Demo mit Leidensgenossen geht's einem doch gleich wieder ein bisschen besser. Danke, miga, für die Idee!



Montag, 13. Juli 2009

Neues vom Bau


Und wieder stehen die Baumaschinen auf dem Gelände der Georgskirche. Augustinus Foggarty hat das neue Gemeindezentrum in Angriff genommen. Es löst unser bisheriges Forum ab.

Dienstag, 7. Juli 2009

Avatare im Kugelpanorama


Ein 8.000 Kubikmeter großer Würfel macht's möglich: SL-Avatare können jetzt in ein 360°-Panorama der realen Georgskirche eintauchen. Arthur Hawksby alias Reinhard Schmolze hat diese faszinierende Möglichkeit geschaffen, virtuelle und physische Realität zu kombinieren.





Gerade rechtzeitig übrigens, denn seit dem 1. Juli ist die Kirche St. Georg auf der Insel Reichenau zwei Monate lang für Besucher geschlossen (außer bei Führungen). Der ständige Strom der Touristen würde das wegen der mittelalterlichen Wandmalereien empfindliche Raumklima zu stark verändern. Diese Gefahr besteht in Second Life zum Glück nicht. Und so lassen wir nicht nur die virtuelle Kirche Tag und Nacht geöffnet, sondern bieten mit dem Panorama-Würfel eine zusätzliche Besichtigungsmöglichkeit. Auf unserer Projekt-Website sind außerdem Kugelpanoramen der "echten" wie der virtuellen Georgskirche zu sehen.
Link: SURL Panorama-Würfel

Montag, 6. Juli 2009

Zurück zu den Anfängen ...

Wer die Gegend um St. Georg kennt, kennt auch dieses kleine Bauwerk: die Barockkapelle, manchmal auch die Bayerische Kapelle genannt.

Sie ist wohl das älteste Gebäude in der Gegend - sie wurde hier aufgestellt, kurz nachdem wir uns hier niedergelassen haben. Und ehe der Bau von St. Georg so weit fortgeschritten war, daß wir die Kirche benutzen konnten, haben wir als Team schon einige Monate hier regelmäßig die Komplet gebetet.

Inzwischen war es einige Zeit etwas schwierig, die Kapelle zu benutzen - mehr als einmal mußte jemand per Teleport aus dem Kirchlein "gerettet" werden, weil die Tür nur aufging, wenn sie wollte.

Nun, die Tür ist repariert, ein neuer alter Altar ist aufgestellt worden (ein gotischer Altar in einer barocken Kapelle ... das gibt's auch nur in Second Life ...), und ein Taizé-Kreuz und ein paar Meditationhöckerchen komplettieren den Stilmix. Mal sehen, ob es dabei bleibt; vielleicht finden wir auch noch zu einer anderen Gestaltung.

Am letzten Donnerstag jedenfalls wurde die Kapelle endlich wieder einmal benutzt: wir haben das Hoffnungsgebet hier miteinander gebetet, das von nun an regelmäßig in der Barockkapelle stattfinden soll. Der kleine Raum und die Hocker sorgen für eine sehr meditative Atmosphäre.Wir freuen uns, wenn wir nächstes Mal zum Gebet der Hoffnung viele Mitbeter in der Kapelle begrüßen dürfen, und natürlich kann man sie auch einfach so einmal besuchen - die Tür funktioniert ja wieder ...


(Nachbemerkung einige Wochen später: leider ist die bayerische Kapelle mittlerweile einem Absturz der entsprechenden Sim zum Opfer gefallen ...)